


Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, wenn man blind wird?
Meine Augen wurden krank und als mein Herrchen es bemerkte, brachte er mich in die Tötungsstation. Er dachte sicher, ich bin nun nicht mehr zu gebrauchen.
Nicht nur, dass es langsam immer dunkler um mich wurde, ich hatte auch starke Schmerzen, denn meine Augen waren entzündet. In der Tötungsstation sah Helgard mich und sie beschloss, mich da rauszuholen. Ich muss zugeben, in der ersten Zeit habe ich es ihr nicht gedankt. Weil sich mein Herrchen nicht so sehr mit mir beschäftigt hatte, kannte ich es nicht, von einer Hand berührt zu werden. Und weil ich ja nichts so gut sehen konnte, was auf mich zukommt, versuchte ich immer, davor zu flüchten, Helgard musste mich mit einer Schlinge einfangen, wenn sie mir die Augentropfen geben wollte, die gegen die Entzündung helfen sollten. Oft genug habe ich um mich gebissen, dabei hat Helgard sehr oft was abbekommen. Wir Hunde kommunizieren stark mit den Augen, wir sehen, wenn unser Gegenüber freundlich mit der Rute wedelt und können uns darauf einstellen, dass es eine nette Begegnung wird. Ich verlor nun mein Augenlicht und somit auch die Möglichkeit, meine Umwelt einzuschätzen. Es war eine schlimme Zeit, aber Helgard hat nie aufgegeben, obwohl sie so viele Fellnasen versorgen muss.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass meine Augen nicht zu retten waren und sie mir immer Schmerzen bereiten würden, hat der Tierarzt sie entfernt. Jetzt ist es absolut dunkel um mich herum, aber ich habe keine Schmerzen mehr und lerne, mich auf meine anderen Sinne zu verlassen.
Inzwischen ist es viel besser geworden, in Helgards Haus kenne ich mich gut aus und auch die anderen Hunde, die hier sind, kann ich unterscheiden. Der größte Erfolg ist es aber, dass ich mich von Helgard in die Arme nehmen lasse und die Streicheleinheiten genieße - anderen Menschen traue ich jedoch noch nicht, wenn DU mich zu Dir nehmen willst, dann musst Du dir mein Vertrauen ebenso mit viel Geduld über einen sehr langen Zeitraum erarbeiten wie Helgard das bei mir getan hat. In der Zeit bei Helgard gab es diesbezüglich für Helgard immer wieder Rückschläge, ohne ersichtlichen Grund. Ich muss einfach noch auf Dauer lernen, dass ich meinem Menschen immer vertrauen kann.
Ich
bin jetzt ca. 3 Jahre alt und ca. 43 cm groß. Nach diesem
schwierigen Start
ins Leben kann es für mich doch nur besser werden, oder?
Deshalb
suche ich meinen Menschen, es muss jemand sein, der mich vorsichtig
an alles heranführt und der viel Geduld mit mir hat. Gechipt,
kastriert, getestet und geimpft bin ich schon, es kann also losgehen.
Es kommt noch hinzu, dass ich Leishmaniose pos. bin, die LS macht mir
momentan aber gar keinen Ärger, ich bin völlig symptomfrei.
Gegen
Schutzvertrag und Kostenerstattung (150,-€ zzgl 35,-€ Transport)
würde mich Helgard schweren Herzens gehen lassen. Aber sie
weiß,
dass es Irgendwo jemanden gibt, der mein Mensch werden möchte, der
sich nicht daran stört, dass ich keine Augen habe und der mich
liebt, wie ich bin. Ich sollte in einen ruhigen Haushalt, ohne Stress
und Hektik, ein souveränder Ersthund wäre schön, ist
aber keine Bedingung. Wenn denn Kinder im Haushalt sind, sollten diese
schon sehr sehr "vernünftig" sein, kleine Kinder die an mir
herumtatschen wollen oder spielende grössere Kinder, die
herumtoben damit wäre ich absolut überfordert.
Es
macht mich sehr traurig, dass ich diesem Menschen nie in die Augen
sehen kann, aber ich habe genug andere Möglichkeiten, meine
Dankbarkeit und meine Liebe zu zeigen und die werde ich nutzen.
